die ganz große Märchenstunde von dem wunderschönen indikativen Kaufangebot
Als Anteileseigner bin ich erstaunt, warum man in einer Zeit, in der Hyperinflation und Staatsbankrott drohen, eine florierende Immobilie veräußern will, die gut saniert ist und in den letzten 5 Jahren eine Rendite erwirtschaftet hat, welche selbst einem Dr. Josef Ackermann gefallen würde.
Florierend natürlich nur in den letzten Jahren, davor wurde der Fonds ja durch Missmanagement und betrügerische Machenschaften fast ruiniert. Das ist nun damals nicht aufgegangen, der Fonds existierte weiter, schwer angeschlagen zwar und mit einer langen Durststrecke, renditemässig gesehen, aber immer noch im Besitz derer, die dafür gearbeitet hatten.
1992 wurde im Rahmen eines Treuhänderwechsels das Vermögen von der Neuen Heimat Aktiengesellschaft auf die GAGFAH Gemeinnützige Aktien-Gesellschaft übertragen, die sich 1996 die Übertragung des Vermögens an die GAGFAH Immobilien-Management GmbH genehmigen ließ „vor allem zur Verbesserung unserer Kundennähe“, wobei interessanterweise (vertraute man etwa dem eigenen Geschwafel nicht ?) „die in den vergangenen Jahren von der GAGFAH in erheblichem Umfang selbst erworbenen Fondsanteile bei der GAGFAH Gemeinnützige Aktiengesellschaft für Angestelltenheimstäten (sic) verbleiben und nicht auf die GAGFAH Immobilien-Management GmbH übertragen werden sollen“.
2004 wurde die GAGFAH mehr oder weniger an die Fortress Investment Group LLC verkauft, böse Menschen nennen solche Hedgefonds „Heuschrecken“, das sagen aber wirklich nur böse Menschen, zum Beweis für das Gute sei der folgende Satz von der Website der GAGFAH zitiert:
"Die GAGFAH GROUP sieht sich als Wohnungsunternehmen in besonderem Maße zu sozialem Handeln aufgerufen. Wir übernehmen Verantwortung gegenüber unseren Kunden und der Gesellschaft und setzen dabei Maßstäbe."
Inzwischen können wir den Jahrestag des ‚Verfahrens zur Veräußerung der Immobilie’ feiern, zumindest wem danach zu Mute ist. Doch wer hat da noch Zweifel: ganz offensichtlich haben wir es mit ehrenwerten Leuten zu tun, Alles läuft Rechtens und wird von einem „unabhängigen Gutachterausschuss“ kontrolliert bestehend aus einem unabhängigen GAGFAH Menschen und sogar zusätzlich noch aus zwei unabhängigen Aareal Estate AG Menschen, von einer unabhängigen Firma also, die sich laut Website als „Spezialist für problembehaftete Immobilien“ bezeichnet und natürlich ihr Geld nur mit hoher sozialer Verantwortung für die Gesellschaft verdient:
„Unternehmerisches Handeln geht über die eigentliche Geschäftstätigkeit hinaus und umfasst auch die Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung.“
Blog-Kollege Antonowitsch hat in seinem Beitrag „Merkwürdiges Verfahren bei der Veräusserung der Immobilien!“ einige hochinteressante Fakten genannt, aus denen man vermuten könnte, das Alles immer so hingebogen wird, wie es für die eigene Strategie gerade gebraucht wird:
hieß es gestern noch, eine „notwendige 100%-ige Zustimmung“ sei erforderlich, um den Fonds zu verkaufen, wird daraus ein paar Jahre später –man ist mitlerweile im Besitz von 77% der Anteile- dass „die Zustimmung von 75% der abgegebenen Stimmen ausreicht, um die Treuhändedrin mit dem Verkauf der Grundstücke zu beauftragen.“, auf gut Deutsch: die Abstimmung war eine Farce und das Porto verschwendetes Geld.
Mal wird die Auskunft gegeben, der Gutachterausschuss existiere nicht mehr, zur rechten Zeit findet er sich dann doch wieder, ein neuer wurde nämlich ernannt (von wem eigentlich?), kein Grund zur Sorge, ganz unabhängig, kein Grund zur Sorge, liebe Kinderlein, Alles Rechtens!
Möglicherweise sind das Spekulationen, Missverständisse, ich fand es recht überzeugend, gebe diese Behauptungen von Antonowitsch aber nur unter Vorbehalt wieder, denn ich möchte mich nicht mit den Rechtsgelehrten des Hedgefonds anlegen, CEO Mr. William Joseph Brennan schaut wirklich nicht aus wie jemand, mit dem man gut Kirschen essen könnte ...
Was mir mit meinem einfachen Gemüt jedoch auffällt, beruht auf den mir vorliegenden schriftlichen Unterlagen und den Schlussfolgerungen, die ich für mich daraus ziehe und hier einmal vorstellen möchte:
- die Verkaufsvorgabe „die Treuhänderin ist nicht verpflichtet, einen bestimmten Mindesterlös beim Verkauf der Grundstücke zu erzielen ...“ widerspricht meiner Überzeugung nach jeder Form von seriösem Geschäftsgebaren und ist ein Freibrief für jegliche Manipulation, die man dann nicht einmal „Betrug“ nennen kann, denn sie wurde ja klar formuliert (und durch unseren ganz wundervollen unabhängigen Gutachterausschuss abgesegnet).
Um mich zu wiederholen: ein Verkaufsangebot abzugeben ohne ein Limit zu setzen, ist in jedem Fall völlig unangemessen, gefährlich und höchst unseriös. Ein Verkäufer, der in einer Verkaufsverhandlung keine Grenzen gesetzt bekommen hat, kann nur die Rolle eine rückratlosen Hampelmannes spielen. Ich befürchte, dass das hier die Intention war.
Sollte sich die „geschätzte Nettoauszahlung von ca. 2.200 EUR pro Anteil von 1000 DM“, mit der dem Michl der Mund wässrig gemacht wurde, nicht ergeben, sondern vielleicht nur 1.800 oder nur 1.400 oder nur 1.200 EUR, dann wäre Alles doch eben nur – richtig: Rechtens!
Natürlich habe ich auch diesen Satz gelesen: „Die GAGFA I hat klargestellt, dass weder sie selbst noch ein mit ihr verbundenes Unternehmen Interesse am Kauf der Fondsgrundstücke hat.“ Zuerst sind mir die Tränen gekommen und ich habe gedacht: so gut ist doch schon diese Welt!
Nur dann sind mir doch noch ein paar Zweifel gekommen: wenn nun zB. der Schwager von Herrn CEO-Hedgefonds unseren lukrativen Fonds kaufen möchte, allerdings sein letzter Bonus nicht ganz ausreicht um den Preis cash zu zahlen, welcher mir kleinem Anlegerlein den Verkaufserlös von 2.200 Euro bringen würde, wäre dann Herr CEO-Hedgefonds nicht doch vielleicht geneigt, seiner Frau zuliebe seinem geschätzten Schwager den Preis ein wenig zu reduzieren? Rechtlich wäre es ja ganz einwandfrei, denn „Die GAGFA I hat klargestellt, dass weder sie selbst noch ein mit ihr verbundenes Unternehmen Interesse am Kauf der Fondsgrundstücke hat.“ und der Schwager von Herrn CEO-Hedgefonds ist ja kein mit der GAGFAH verbundenes Unternehmen, man kennt sich halt einfach nur privat ?!!
An dieser Stelle möchte ich, auch um meine kommenden Verluste zu mildern, jedermann eine Wette darauf anbieten, dass die Nettoauszahlung weniger als 2.200 Euro sein wird, vermutlich sogar erheblich weniger. Zum Trost, liebe Kinderlein, wird Euch dann aber die Marketingabteilung von GAGFAH einen ganz lieben Brief schreiben und ihr tiefes Bedauern darüber ausdrücken, es ging leider nicht anders und ihr seid’s doch mit dem Rest sicherlich auch noch zufrieden!
- Mit Datum vom 08.12.2009 wurden alle Anleger informiert, dass es gelungen sei, „einen Kaufinteressenten für die Immobilien des Fonds ausfindig zu machen“.
Wenn man dem Blog-Kollegen Antonowitsch glauben will, dass der Kaufpreis bei ca. 50% der marktüblichen Immobilienpreise pro qm Wohnfläche liegt, dann muss das bestimmt sehr schwer gewesen sein, diesen Kaufinteressenten zu finden, der dann ja 14.300.000 Euro geschenkt bekommt, der Glückliche.
Der in dem Schreiben genannte vorraussichtliche Verkaufserlös ist, entsprechend meiner Vorhersage, bereits von 2.200 EUR auf 2.110 EUR gesunken, da kann ich persönlich mir schon mal einen Sandero weniger kaufen als geplant, wenn’s denn dabei bliebe, mein Wettangebot gilt weiterhin!
In dem genannten Schreiben werden alle Anleger ultimativ aufgefordert, innerhalb von 10 Tagen eine notarielle Löschungsbewilligung abzugeben. Unterschrieben wurde der Brief von zwei Angestellten, die (vermutlich reichlich) durch Erlöse bezahlt werden, welche auch durch meiner Hände Arbeit entstanden sind. Allerdings bin ich nun tief gesunken und von den beiden Angestellten zum großen Arschloch degradiert worden, dem in fast jedem zweiten Satz die existentielle (wirtschaftliche) Vernichtung angedroht wird, sollte er nicht umgehend sofort dem Befehl zu seiner rechtlichen Kastration in Sachen Fonds-Besitz nachkommen.
- Und dann kam eine tiefe Stille über das Land.
6 Monate hatte ich von meinen beiden Angestellten nichts mehr gehört und fast befürchtete ich, sie seien mit den knackigen unabhängigen Gutachtern auf die schönen Cayman-Islands entschwunden, um bei dem wundervollen Mr. William Joseph Brennan ein paar leckere Pina Colada’s zu schlürfen, da brachte mir der Postbote eine neue Nachricht von ihnen: im Jahresbericht 2009 hatten sie es sich nicht nehmen lassen, in ihrer kostbaren Zeit ganze neun Sätze zu schreiben, die jedoch leider nichts Gutes verhießen: „... aus heutiger Sicht nicht sicher vorhergesagt werden .... sieht derzeit gute Chance ... in 2010 weitgehend abgeschlossen ... zu gegebener Zeit separat informieren.“
Wenn man jetzt mal nüchtern bleibt und das ganze Worthülsenblablabla rausstreicht, dann werden also die, die das Spiel hier betreiben, den Zeitpunkt bestimmen, an dem der Deal dann endgültig abgewickelt wird und das wird der Augenblick sein, an dem es für sie den größten Kosten/Nutzen hat. That’s life, liebe Brüder und Schwestern, Gutmenschentum ist nur eine rosarote Drogenwolke, an der viele in diesem unserem Lande verzweifelt ihr Leben vergeuden.
Nur mal so als kleine Phantasie-Reise: wenn nun doch all diese Schutzschime über unseren systemrelevanten Betrügern platzen sollten und Mutti Angela keine Billionen mehr aus ihrer Handtasche hervorzaubern kann, dann werden Immobilien trotzdem weiterbestehen und ihre Besitzer wohlhabend machen. Ach und selbstverständlich: die ehemaligen Besitzer bekommen dann auch ihren Verkaufserlös 2110EUR/1000, natürlich Alles Rechtens, nur schade, dass 1 Liter Milch dann 1 Mio Euro kostet. Wer hätte das schon vorhersehen können? Alles Rechtens!
Alles Rechtens, liebe Kinderlein, und nun schlaft recht schön weiter und wacht besser niemals auf aus Euren Träumen. Gute Nacht, Mutti und Papi amüsieren sich gut!